Kühlschrank voll und nichts zum Anziehen?

Wie mir Minimalismus beim Kochen hilft. Und was meine Klamotten damit zu tun haben.

Als ich kürzlich an der Supermarktkasse stand, ging mir auf: Kochen ist eigentlich nichts anderes, als ein Outfit zusammenzustellen. Ich schaue in den Schrank, suche die gewünschten Kleidungsstücke zusammen und ergänze sie mit einer Kette oder einer Jacke. Und ab und an kommt ein neues Teil dazu, weil ich festgestellt habe, dass mir ein bestimmter Pulli gefällt oder ein anderes Paar Schuhe auch ganz gut zu meinen Jeans passen würde

Menschen, die sehr modebewusst sind, fällt es leicht, ein Outfit zusammenzustellen, in dem sie sich wohlfühlen. Sie wissen, welche Schnitte zu ihnen passen und welche Accessoires sie damit kombinieren können. Manche haben sich sogar eine Art Uniform entwickelt, ein Outfit, das aus ähnlichen oder identischen Elementen besteht und das sie jeden Tag tragen, ohne dass es irgendwem auffallen würde.

Das selbe gilt auch fürs Kochen. Da gibt es Menschen, die eine Handvoll Gemüse aus dem Kühlschrank holen und eine Tüte Reis aus dem Vorratsschrank ziehen. Die zielsicher eine Reihe passender Gewürzen aussuchen. Und vor denen eine knappe Stunde später ein köstlich duftendes Gericht steht, das sie schließlich noch mit einer Handvoll Kräuter von der Fensterbank garnieren. Aber es gibt auch solche, die Abends ratlos im Supermarkt stehen und keine Ahnung haben, was sie einkaufen könnten, geschweigedenn, worauf sie überhaupt Lust haben. Die zwar auch mal gerne etwas Neues ausprobieren würden, aber am Ende feststellen, dass Koriander überhaupt nicht lecker, sondern nach Seife schmeckt und die deshalb meist auf eine Tiefkühlpizza zurückgreifen. Weil sie da wissen, was sie kriegen.

Ich selbst würde mich als ziemlich gute und kreative Köchin bezeichnen, und auch die morgendliche Auswahl eines Outfits, in dem ich mich wohl fühle, fällt mir inzwischen meistens leicht. Vor ein paar Jahren war das allerdings noch anders. Da war mein Kleiderschrank doppelt so groß und doppelt so voll und wenn ich mir ein neues Kleidungsstück kaufen wollte, konnte es sein, dass ich Glück hatte, und mir etwas in die Hände fiel, was gut zu mir passte. Oder ich griff zum x-ten Mal zu einem Bleistiftrock. Allerdings finde ich Bleistiftröcke ziemlich unbequem, und wie ich darin Fahrradfahren soll, ist mir seit jeher ein Rätsel.

Beim Kochen war es früher ähnlich: Ich probierte hin und wieder neue Rezepte aus, fühlte mich aber häufig uninspiriert. Obwohl ich überzeugt war, ich müsse mehr Gemüse essen, lag der Fenchel, der in einem Anflug fragwürdiger Motivation seinen Weg in meinen Kühlschrank gefunden hatte, meist tagelang dort herum, weil er mir eigentlich gar nicht schmeckte. Und die Couscous-Packung, die auf ähnliche Weise in meine Küche gelangt war, hatte irgendwann eine beachtliche Staubschicht angesetzt, weil ich Couscous ebenfalls nicht besonders spannend finde, aber gedacht hatte, daraus ließen bestimmt sich einfache und schnelle Gerichte kochen.

Was mir geholfen hat – sowohl bei meiner Kleiderwahl als auch beim Kochen: Mich aufs Wesentliche zu besinnen. Ich habe gründlich ausgemistet und nur das behalten, was mir wirklich gefällt, gut tut und was mir schmeckt. Seitdem lasse ich den Fenchel guten Gewissens links liegen und kaufe stattdessen mehr Spinat, Brokkoli und Kohl ein. Und statt Couscous landet jetzt wieder Reis in meinem Einkaufskorb. Ich stresse mich nicht länger mit meinem Anspruch, möglichst gesund einzukaufen, sondern orienterie mich daran, was mir schmeckt. Denn auch die gesündeste Zutat wird meinem Körper höchstwahrscheinlich kaum etwas Gutes tun, wenn ich sie eigentlich gar nicht so lecker finde.

Die Bleistiftrock-Phantasie habe ich übrigens ebenfalls ziehen lassen und freue mich, dass ich mich in engen Hosen nicht nur wohler fühle, sondern auch wunderbar Fahrrad darin fahren kann.

Wie geht’s dir bei dem Thema? Was sind deine liebsten und verlässlichsten Zutaten und welche kannst du überhaupt nicht ausstehen?

P.S.: Wie sich aus deinen Lieblingszutaten leckeren Outfits Gerichten zusammenstellen lassen? Praxistipps zum Thema folgen!

Titelbild: Chanikarn Thongsupa

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