Heute schon geatmet?

Meditieren ist für mich so essentiell wie Zähneputzen. Wie das passiert ist und wie sich die Achtsamkeitsübung auf meinem Alltag auswirkt.

Meditieren ist für mich so essentiell wie Zähneputzen. Wie das passiert ist und wie sich die Achtsamkeitsübung auf meinem Alltag auswirkt.

Wie eine Horde Kindergartenkinder

Meine Gedanken sind manchmal wie eine Horde Kindergartenkinder, die zu viel Schokocreme zum Frühstück hatten. Sie können kaum still sitzen und reden dabei alle durcheinander. Wenn ich meditiere, gebe ich meinen Gedanken die Gelegenheit, sich mal so richtig auszutoben, während ich ihnen gelassen dabei zusehe.

Sobald ich ein paar Minuten einfach nur still dagesessen habe, wird der aufgedrehte Inhalt meines Kopfes ruhiger. Den kann ich sonst oft nur schwer davon abhalten, sich wie wild im Kreis zu drehen. Doch je öfter und regelmäßiger ich meditiere, desto schneller kommen auch meine Gedanken zur Ruhe und mein gefühlter Stress löst sich nach und nach in Luft auf.

Erstmal innehalten

Besonders in anstrengenden oder emotionalen Alltagssituationen ist das äußerst hilfreich. Ich bin inzwischen ziemlich gut in der Lage, erst einmal inne zu halten und meine Gedanken „von außen“ zu betrachten, bevor ich zurückmeckere oder eingeschnappt reagiere. Das passiert zum Beispiel, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Durch regelmäßiges Meditieren habe ich gelernt, mich nicht immer von meinen Gedanken bzw. Emotionen mitreißen zu lassen. Außerdem haben meine Meditationsübungen mir dabei geholfen, ein besseres Gespür meine Stimmungen und Bedürfnisse zu entwickeln. Deshalb kriege ich inzwischen auch viel besser mit, wenn ich mal wieder einen Abend nur für mich brauche.

Wenn ich gleich Morgens meditiere, bin ich außerdem auch den Rest des Tages über viel gelassener. Dass ich mir als erstes Zeit für mich nehme, bewahrt mich davor, gedankenlos und überstürzt in den Tag zu starten. Wenn mir das passiert, fühle ich mich nämlich spätestens am Nachmittag gestresst und geradezu kopflos.

Wieso meditieren?

Regelmäßig zu meditieren hat viele positive Effekte, einige davon sind inzwischen auch wissenschaftlich belegt: Meditation kann Schmerzen lindern und bei Depressionen helfen, sorgt für besseren Schlaf und verringert die Ausschüttung des Stresshormons Cortiosol.

Meditieren lässt sich auf ganz unterschiedliche Arten. Uns Menschen im Westen ist wahrscheinlich vor allem die körperlich passive Variante bekannt. Dabei sitzt die Übende mit geschlossenen Augen an einem Ort ihrer Wahl und versucht, ihre Gedanken wie Wölkchen vorbeiziehen zu lassen, ohne ihnen zu folgen oder sie zu bewerten. Diese Art der Meditation wird häufig auch beim Yoga praktiziert. Meist wird zu Beginn und am Ende einer Unterrichtseinheit gemeinsam meditiert .

Aber auch alltägliche Tätigkeiten, wie Böden wischen, aufräumen, Klo putzen oder staubsaugen lassen sich in meditativer Weise erledigen. Versuch einmal, dich voll und ganz auf das konzentieren, was du gerade machst. Du wirst mit großer Wahrscheinlichkeit feststellen, dass du dich auf einmal entspannter und weniger abgelenkt fühlst.

Und wieso nicht?

Meditation ist kein Allheilmittel, auch wenn es des öfteren als ein solches angeprießen wird. Die Achtsamkeitstechnik kann sich grundsätzlich zwar sehr positiv auf dich und deine Gesundheit auswirken – allerdings solltest du dich bei bestimmten psychischen Erkrankungen (z.B. bei emotionaler Instabilität oder einer Posttraumatischen Belastunggstörung) zuerst mit einer Therapeutin besprechen, bevor du selbst meditierst. Nach Rücksprache kannst du an Stelle von Meditation auch andere Achtsamkeits- und Entspannungsübungen ausprobieren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung.

Meditative Übungen sollen übrigens auch nicht lehren, alles kommentarlos hinzunehmen, was um dich herum oder mit dir passiert. Stattdessen geben sie dir die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln und Distanz zwischen dich und deine Gedanken zu bringen. Das kann dabei helfen, unvoreingenommener durchs Leben zu gehen, ohne sich selbst und andere sofort zu bewerten.

Es könnte allerdings sein, dass du einfach keinen richtigen Zugang zur Meditation findest, auch wenn du wieder und wieder versuchst, dich darauf einzulassen. Vielleicht ist mit geschlossenen Augen still sitzen einfach nicht dein Fall. Stattdessen kannst du eine aktivere Form der Meditation ausprobieren: Wenn du beim Malen, Stricken, Joggen oder auch Kochen deine volle Konzentration und Aufmerksamkeit auf das richtest, was du gerade tust, wird dich das vermutlich in einen ähnlich meditativen Zustand versetzen.

So essentiell wie Zähneputzen

Wie es dazu kam, dass ich inzwischen regelmäßig meditiere? Ich hatte schon eine Menge Überzeugendes über Meditation gelesen und irgendwann auch einen mehrwöchigen Kurs besucht. Bis ich mir dann auch alleine regelmäßig Zeit dafür genommen habe, hat es dann aber noch eine ganze Weile gedauert. Was mich davon abgehalten hat? Entweder war ich schlicht zu faul, dachte, ich hätte keine Zeit oder habe mich lieber mit irgendetwas anderem beschäftigt. Aber irgendwann, und ich weiß immer noch nicht genau wie, fiel der Groschen. Seitdem nehme ich fast jeden Tag auf meinem Meditationskissen Platz, schließe die Augen und horche in mich hinein.

Vor allem die Erfahrung, wie gestresst und unausgeglichen ich werden kann, wenn mir der Ausgleich durchs Meditieren fehlt, erinnert mich immer wieder daran, mir Zeit dafür zu nehmen.

Hast du schon mal ausprobiert, zu meditieren? Wie sind deine Erfahrungen mit dieser Achtsamkeitstechnik?

Titelbild: Max van den Oetelaar

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