Gesund? Was heißt das eigentlich?!

Die Antwort auf eine Frage, die ich ziemlich oft gestellt bekomme.

Ich stecke gerade mitten in der Ausbildung zur Gesundheitsberaterin. Wenn ich mich auf Parties oder beim Abendessen mit der Familie über meine Ausbildung unterhalte, höre ich deshalb oft die folgende Frage: „Du weißt wahrscheinlich ganz genau, was gesund ist und was nicht?“

Ganz schön widersprüchlich

Ich finde super, dass sich immer mehr Menschen die Frage stellen, wie sie gesünder leben können. Und ich kann ziemlich gut nachvollziehen, wieso sie sich klare Regeln wünschen, an die sich halten können. Fernsehen, Zeitungen und Social Media pusten uns nämlich jeden Tag die neusten Forschungsergebnisse und Studien um die Ohren. Und die sind – besonders was Ernährung angeht – oft ganz schön widersprüchlich: Salz ist ungesund! Oder etwa doch nicht? Kaffee dehydriert – auch nee, wir haben uns getäuscht. Kokosöl ist ein Superfood! Oder etwa doch „das reinste Gift“? Und wie war das noch mit Gluten?

Unstrittig ist dagegen: Es nicht immer ganz klar, was gesund und was ungesund ist. Statt dir also den Kopf über die Frage „Ist das gesund?“ zu zerbrechen, frag dich doch zur Abwechslung mal: „Wie gehts mir damit?“ oder „Wie fühle ich mich dabei?“

Was fühlt sich gut an?

Frag dich mal, ob du wirklich Lust auf den Brokkoli hast, den du gerade in deinen Einkaufskorb legst. Oder wie es dir bei dem Gedanken geht, auf das Stück Kuchen zum Nachtisch zu verzichten. Wie fühlst du dich normalerweise nach dem dritten Bier? Und wie gehts dir, nachdem du Kicherbsen gegessen hast? Was passiert in deinem Kopf, wenn du überlegst, gleich eine Runde Joggen zu gehen? Und wie schmecken dir eigentlich die Chips, die du dir grade in den Mund steckst?

Wenn wir über Gesundheit und insbesondere gesunde Ernährung nachdenken, liegt der Fokus meistens auf „das darf ich nicht! darauf sollte ich lieber verzichten! das ist ungesund! blablabla“. Ich finde es viel hilfreicher, sich an ein paar klaren Richtlinien zu orientieren (für die es mittlerweile auch ausreichend Belege durch Studien gibt) und sich bei den Details auf das eigene Bauchgefühl zu verlassen.

Wer lebt gesünder?

Denn wer lebt eigentlich gesünder: Anton, der sich um 5 Uhr Morgens aus dem Bett zwingt, seine Müdigkeit mit Kaffee verdängt und erst einmal eine Stunde Sport macht, auch wenn er grässlichen Muskelkater hat? Oder Larissa, die gestern lange nicht einschlafen konnte, deshalb ihre morgendliche Sporteinheit guten Gewissens ausfallen lässt und erstmal gemütlich frühstückt?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie gut es mir manchmal tut, mich Abends mit Chips und Netflix auf der Couch zu parken, besonders wenn ich mich gestresst und erschöpft fühle. Wäre es etwa gesünder, mein Bedürfnis nach Entspannung, Chips und kuscheligen Sofakissen zu ignorieren? Ich glaube nicht.

Klar, auf Dauer tut es niemandem gut, sich ausschließlich von Junkfood zu ernähren und sich kaum zu bewegen. Sich unkritisch irgendwelchen Gesundheitsversprechen zu unterwerfen, ist allerdings keine gute Idee. Viel gesünder: Ein Gespür für die eigenen Bedürfnisse und den eigenen Körper entwickeln und sich im Zweifelsfall eben danach richten.

Titelbild: Ali Inay

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