Corona 101

Was gegen den Corona-Blues hilft? Ich hab so einiges ausprobiert und die besten Ideen für dich aufgeschrieben.

Die letzten Monate habe ich mich sehr intensiv um mich gekümmert – und wollte mich dann eigentlich gern mit einem erfreulicheren Thema hier zurückmelden. Aber jetzt haben wir den Salat, äh Corona.

Dieses Virus hat unseren Alltag in vielen Aspekten auf den Kopf gestellt. Und besonders unserer Psyche verlangen diese Umstellungen so einiges ab. Deshalb ist es aktuell ganz besonders wichtig, dass wir uns gut um uns selbst kümmern.

Ich habe in den letzten Wochen alles mögliche ausprobiert und aufgeschrieben, was ich für besonders hilfreich halte. Eigentlich sollte alles in einen Text, aber nachdem der länger und länger geworden ist, habe ich entschieden, Corona 101 in zwei Teile aufzuteilen.

Heute erzähle ich dir von meinem neuen Rhythmus und wieso ich Me-Time für unverzichbar halte. Außerdem gebe dir Tipps für ein gemütliches Zuhause mit auf den Weg und Ideen dafür, wie du dich sonst so beschäftigen kannst.

Nächstes Mal wird es dann um unsere Gefühle gehen, wieso regelmäßige Bewegung hilft, wie wir besser mit dem Kontrollverlust umgehen können und welche Alterativen es gibt für vieles, was wir gerade vermissen.

Und los:

Einen neuen Rhythmus finden

Ich habe eine Weile gebraucht, um mich an die neuen Umstände anzupassen. Es gab Momente, in denen mich gestresst hat, dass mein Tagesablauf so verschoben ist. Ich hatte das Gefühl, weniger auf die Reihe zu kriegen als sonst und viel mehr zu schlafen. Bis ich verstanden habe, dass es einfach Zeit zu brauchen, mich an dieses andere Leben zu gewöhnen. Und dass diese neuen Lebensumstände natürlich auch Einfluss auf meinen bisherigen Rhythmus haben, und es angstrengend ist, sich darauf einzulassen.

Was mir insbesondere geholfen hat, und immer noch hilft: Beobachten statt zu bewerten. Statt mich ständig anzumeckern, dass ich länger schlafe als vorher, später ins Bett gehe und weniger Lust habe, mein Zimmer aufzuräumen.

Dabei habe ich herausgefunden, dass ich auch tagsüber Erholungspausen einbauen muss, um Abends weniger erschöpft zu sein. Und dass es für mich besser funktionert, mich zum Telefonieren zu verabreden, statt spontan zu reden. Oder dass meine Me-Time noch wichtiger ist als sonst und ich mir dringend Zeit dafür nehmen sollte.

Und ich werde auch weiterhin beobachten, nicht so streng mit mir sein und ausprobieren was funktioniert. Keine von uns hat in ihrem Leben je mit einer solche Ausnahmesituation zu tun gehabt. Weshalb wir alle erstmal lernen müssen, wie das überhaupt geht, darin zu leben.

Ausreichend Me-Time einplanen

Komischerweise habe ich zwischenzeitlich gefühlt mehr Kontakt und Austausch mit Freundinnen als pre-Corona. Was vermutlich daran liegt, dass die meisten von uns gerade mehr Zeit haben und weil alltäglicher Sozialkontakt, z.B. auf der Arbeit, fehlt oder eingeschränkt ist.

Ich finde es sehr schön, dass es jetzt mehr Zeit dafür gibt, zu telefonieren oder sich auf Spaziergänge mit Abstand zu verabreden. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass ich mir auch genug Zeit für mich nehmen muss. Vor allem auch um all die Eindrücke aus diesem neuen Leben zu verarbeiten, das da vor ein paar Wochen plötzlich um die Ecke kam.

Dabei hilft mir, jeden Tag wenigstens einmal raus zu gehen: Kopfhörer auf und eine Runde um den Block oder ins Grüne. Morgens starte ich jetzt wieder öfter mit einer Meditation. Nach 10 Minuten haben sich meine aufgewirbelten Gedanken meistens etwas gesetzt und mein Kopf fühlt sich wieder aufgeräumter an. Etwas mit den Händen zu tun hat in etwa den selben Effekt, Zeichnen oder Kochen zum Beispiel. Oder ich kuschle mich auf die Couch und lasse mich von Filmen und Serien auf andere Gedanken bringen. Wenn ich sehr gestresst bin, hilft mir auch, meine Gedanken erstmal auf Papier zu bringen, statt sie weiter in meinem Kopf herumspuken zu lassen.

Ich habe mir außerdem angewöhnt, öfter darauf zu hören, wenn sich in mir ein Bedürfnis nach Ruhe meldet. Auch wenn ein Teil von mir Angst hat, etwas zu verpassen oder unbedingt die Gelegenheit nutzen möchte, doch mit jemandem zu telefonieren: Wenn ich nicht auch mal eine „soziale Pause“ einlege, bin ich irgendwann genervt und angstrengt von den Menschen, mit denen ich sonst eigentlich gern Zeit verbringe.

Es sich gemütlich machen!

Die allermeisten sind aktuell viel mehr Zuhause als sonst. Und die Umgebung in der wir uns befinden, kann großen Einfluss darauf haben, wie wir uns fühlen. Weshalb es eine gute Idee ist, es sich in den eigenen vier Wänden jetzt möglichst gemütlich und behaglich zu machen.

Um mehr Platz zu schaffen und einen besseren Überblick über meinen Kram zu bekommen, räume ich regelmäßig auf und miste aus. Jetzt ist ebenfalls eine gute Gelegenheit, Pflanzen umzutopfen, die Lebensmittelvorräte zu sichten, das Schuhregal abzustauben, Schubladen neu zu sortieren, Pfand wegzubringen, den Keller auszumisten oder Unterlagen abzuheften. Vielleicht nicht immer super spaßig, aber hält die Langeweile in Schach und ist oft ziemlich befriedigend. Ich für meinen Teil hab hinterher meistens ein ziemlich gutes Gefühl.

Wenn du besonders ambitioniert oder besonders gelangweilt bist, könntest du auch mal wieder Fenster putzen. Da ist der Vorher-Nachher-Effekt super verblüffend. Wenn du noch keine hat, kannst du dir auch eine regelmäßige Putzroutine zulegen (z.B. benutztes Geschirr wegräumen, Oberflächen wischen, durchsaugen, Klo putzen). Cherry on top: Die Woche bekommt etwas mehr Struktur und die Wohnung sieht gleich gemütlicher aus.

Apropos gemütlich: Mich an- oder einzukuscheln ist eine meiner liebsten Freizeitaktivitäten. Weshalb sich nicht nur auf dem Sofa, sondern so ziemlich jeder Sitzfläche in meinem Schlafzimmer eine Decke und einige Kissen finden. Wer kein Sofa hat, macht einfach sein Bett, wirft ein paar Kissen drauf und vielleicht noch eine Tagesdecke – und fertig.

Die Geschmäcker sind da verschieden, aber ich mag es drinnen gerne grün. Deshalb teile ich meine vier Wände mit einer Menge Zimmerpflanzen. Sie sind hübsch anzusehen und ihre Anwesenheit beruhigt mich irgendwie. Wenn du keinen grünen Daumen hast, kannst du dir beim nächsten Spaziergang ein paar natürliche Souveniers sammeln: Schöne Ästen oder Treibholz machen sich gut auf der Fensterbank oder als Wanddeko. Interessante Steine sind eine weitere Möglichkeit, sich ein kleines bisschen Natur nach Hause zu holen. Oder du gönnst dir einfach mal einen Blumenstrauß (sollte ich auch mal wieder tun).

Und wenn dir grade gar nicht passt, wie es bei dir aussieht: Rück doch einfach mal die Möbel durch die Gegend und probier ein neues Layout aus.

Die Hände benutzen

Manchmal ist es gar nicht so einfach, nicht an Corona zu denken und traurig zu sein über all die Einschränkungen, die unser Leben gerade erschweren. Mir hilft dann meistens, mich abzulenken und in der Küche zu werkeln oder kreativ zu werden:

In der Küche

Ich habe eine ganze Liste von Rezepten, die ich noch nicht ausprobiert habe und versuche regelmäßig, eins davon zu kochen. Oder lasse mich von meinen kochbegeisterten Freundinnen inspirieren. Ich experimentiere ebenfalls gern bei der Herstellung von Dips, Nudelsoßen, Smoothies oder fermentiertem Gemüse. Neuster Favorit aus dieser Kategorie: Quick pickled onions (a.k.a. fix fermententiere Zwiebeln). Und seit ich dieses easy Rezept gefunden habe, habe ich richtig Lust bekommen, mal wieder ein Sauerteigbrot zu backen.

Wenn wir grade nicht nach Kochen ist, futtere ich mich auch gern durch altbekannte oder auch neu entdeckte Snacks (wie z.B. Linsenchips, Drachenzungen, Brotchips mit Frischkäse, Instant-Ramen oder Schokorosinen).

Manchmal wundere ich mich auch bisschen darüber, dass ich jetzt gefühlt ständig Appetit habe. Aber mal ehrlich, Essen ist im Augenblick auch mehr denn je das Tageshighlight. Zumindest meins, haha.

Auf der Fensterbank

Etwas anzusähen und den Pflänzchen beim Wachsen zuzuschauen, macht ziemlich viel Spaß. Und das Ergebnis kannst im Fall von Kresse oder Sprossen am Ende auch noch auffuttern. Oder wie wärs, wenn du einen Kräutergarten anlegst? (Das geht auch ziemlich gut mit gekauften Kräuterpflanzen.) Oder du sähst auf der Fensterbank oder im Garten eine Bienenweide aus und hast ruckzuck eine paar süße kleine Insektenfreunde.

Wenn du gerade keine herkömmlichen Samen zu Hause hast, kannst du einfach mal ausprobieren, Zitronenkerne zum Keimen zu bringen oder ein Avocadobäumchen zu ziehen.

Mit Schere und Kleber

Der neue heiße Scheiß unter den DIYs ist aktuell ja wohl, sich eine Mundschutz-Maske zu nähen oder zu basteln. Steht auch noch auf meiner Liste. Ich habe außerdem ausprobiert, Stoff mit Avocadokernen zu färben (hat funktioniert, aber der Farbton war so lala, ich probiere weiter).

Sachen zu nähen und zu basteln hilft mir oft, wenn mein Kopf zu voll für was anderes ist und ich Ablenkung brauche. Einfach draufloszumalen und zu zeichnen hat eine ähnliche Wirkung.

Die Corona-Zeit will ich außerdem dafür nutzen, einen neuen Versuch im Socken-Stricken zu starten. Wolle hab ich schon, Nadeln auch. Nur eine Portion Geduld fehlt mir noch – wer also eine übrig hat…

Collagen habe ich als Kind super gern gebastelt, das könnte also auch ein cooles Corona-Projekt sein. Und alte Fotos und Zeitschriften hab ich auch noch rumliegen.

Wenn du dich erstmal weiter inspirieren lassen willst, statt sofort loszubasteln, findest du auf folgenden Blogs viele interessante Projekte und Ideen:

Mit Stift und Papier

Ich schreibe regelmäßig auf, was mir so im Kopf herumwirbelt. Um Ballast abzuwerfen, um zu reflektieren, mich selbst besser zu verstehen. Diese Zeilen sind nicht dazu bestimmt, von irgendjemand anderem gelesen zu werden. Trotzdem schaut mir meine innere Zensorin dann und wann über die Schulter. Aber mit jedem Tagebucheintrag wird sie weniger kritisch – yeay.

Briefe habe ich schon als Kind gern geschrieben. Auch später, während meines Auslandsjahrs – und obwohl es da schon Emails gab – bin ich weiterhin per Hand mit Freunden und Familie in Kontakt geblieben. Inzwischen kann ich mich leider nicht mehr daran erinnern, wann ich den letzten Brief geschrieben habe. Aber ich hab echt mal wieder Lust dazu. In vielen Städten und Gemeinden wird gerade auch dazu aufgerufen, Briefe an die Menschen in Pflege- und Seniorenheimen zu schreiben. Finde ich super.

Im Badezimmer

Eventuell wiederhole ich mich, aber: Ich halte es im Augenblick für noch viel wichtiger als sonst, dass wir uns gut um uns selbst kümmern. Da gehört für mich zum einen die Seele, aber besonders auch der Körper dazu.

Ein gemütlicher Samstagmorgen oder ein knatschiger Mittwochabend wären also der perfekte Zeitpunkt, um dich mal wieder ins (Home-)Spa auszuführen. Und dich statt einfach-nur-Zähneputzen-und-duschen mal wieder ausgiebig und mit viel Liebe um deine Füße, Gesicht, Rücken, Haare und Hände zu kümmern.

Mir fällt da folgendes ein:

  • im Bad Kerzen aufstellen und schöne Musik anmachen
  • die Haut vor dem Duschen ausgiebig abbürsten oder dich in der Dusche mit einem Körperpeeling abrubbeln
  • eine Haarmaske einwirken lassen, während du duschst
  • deine Nägel schneiden, feilen und/oder lackieren
  • die Hände eincremen

Und wenn du mit jemandem zusammenlebst, dem gerade auch irgendwie langweilig ist: Frag doch mal, ob du eine Massage kriegen kannst.


Mit Corona leben

Mir reichts jetzt jedenfalls so langsam mit Kontaktverbot und damit dass die Cafés und Restaurants immer noch geschlossen haben müssen, finde ich ebenfalls richtig kacke. Klar, es gibt Telefone und ziemlich sicher wird es nicht für immer so bleiben wie jetzt gerade. Trotzdem tut es weh und macht mich traurig, meine Freunde nicht sehen und sie fest in den Arm nehmen zu können. Das fehlt mir wirklich sehr.

Trotzdem halte ich es aktuell für sinnvoll, noch ein Weilchen Abstand zu halten, bis klar ist, wie wir halbwegs sicher mit Corona leben können. Und hoffe, wir müssen nicht mehr allzulange darauf warten, bis sich die Tage wieder ein bisschen mehr wie Alltag und ein bisschen weniger wie eine Zombieapokalypse anfühlen.

Titelbild: Ana Shvets

Was dir dabei hilft, mit Corona klarzukommen? Schreib einen Kommentar, ich freu mich, von dir zu lesen!

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